Inhalt

B-Spirale
B-Stall
Beschleuniger
Frontrosette
Frontstall / Frontklapper
Fullstall
Klapper
Negativspirale
Ohrenanlegen / Big Ears
Parawaiting
Sackflug
Soaren
Steilspirale
Vrille
Windenschlepp
Wingover
B-Spirale

Die vielleicht berühmteste Flugfigur in der Gleitschirmszene. Wahrscheinlich deshalb, da sie bisher nur in den Köpfen einiger Piloten existiert und noch nicht geflogen wurde. Einer der Väter der B-Spirale ist Jan Geisler, der wegen seiner Affinität zur B-Spirale auch BSJ (B-Spiralen-Jan) genannt wird.

Und so soll sie funktionieren: Während einer wirklich hammermäßig geflogenen Steilspirale - Sinkwerte möglichst über 15m/s -, greift man die B-Gurte, zieht den Schirm in den B-Stall und schaut was passiert.

Bevor ihr nun aber auf die Idee kommt, die Sache zu probieren: Lasst es bleiben! Oder schließt davor eine Lebensversicherung zu meinen Gunsten ab.

B-Stall

Beim B-Stall handelt es sich um eine etwas aus der Mode gekommene Schnellabstiegshilfe. Dazu zieht der Pilot die B-Tragegurte des Gleitschirms symetrisch herab. Nach ca. 20 cm erfolgt der Strömungsabriß und die Gleitschirmkappe zieht sich zusammen. Der Schirm bleibt hierbei gefüllt und mit Sinkwerten von zwischen 4 und 7 m/s geht es senkrecht dem Erdboden entgegen. Bei manchen Schirmen kommt es hierbei zur Bildung einer Frontrosette
Bei stärkerer oder asymmetrischer Verkrümmung der Kappe möglichst direkt wiederausleiten, meist ist ein zu tiefes Ziehen der B-Gurte verantwortlich.

Beschleuniger

Durch ein Flaschenzugsystem (entweder als Beinstrecker oder Trimmer) werden die vordere Leinenebenen heruntergezogen und so der Anstellwinkel des Schirms verringert. Hierduch wird die Geschwindigkeit des Gleitschirms erhöht - leider aber auch die Klappanfälligkeit.

Frontrosette

Die Frontrosette ist eine - heute auch nicht mehr allzu häufig gesehene - Kunstflugfigur. Sie kann aber auch unbeabsichtigt während eines B-Stalls auftreten. Bei der Frontrosette wandern die Flügelenden nach vorne, bis sie sich letztendlich berühren. Von unten sieht der Gleitschirm dann wie eine Blume aus.

Frontstall / Frontklapper

Das Einklappen der gesamten Vorderkante des Schirmes, im unprovozierten Fall durch Abwind oder extremes Vorschießen bedingt. Das Manöver kann recht unterschiedlich ausfallen, vom leichten Eintrittskantenklapper mit weniger als 50cm Flächentiefe bis hin zum Totalzerleger. Hierbei kippt die Kappe immer erstmal nach hinten ab und die Strömung reißt kurzfristig am Schirm ab. Beim Totalzerleger schießt die Vorderkante komplett unter dem Untersegel hindurch, die Kappe wird quasi auf den Rücken gedreht und entleert dabei.

Fullstall

Der Fullstall ist der beidseitige, symetrische Strömungsabriß, i.d.R. durch das sehr tiefe Ziehen beider Bremsleinen. Der Schirm geht dabei in eine Rückwärtsbewegung mit teilweise entleerter Kappe über, wobei die Flügelenden teils sehr heftig schlagen können, was diesen Flugzustand für Piloten meist recht unruhig macht (Kenner sprechen vom Rodeo-Effekt).

Klapper

Unter einem Klapper versteht man das Einklappen einer Flügelhälfte (Seitenklapper) von der Eintrittskante oder einer Seite beginnend. Dabei wird die Eintrittskannte oder die Flügelaußenseite zuerst nach unten, dann durch den damit stark erhöhten Fahrtwiderstand in der Folge nach hinten gedrückt. Hierbei schiebt sich der eingeklappte Teil des Flügels meist unter dem offenen Teil des Schirms durch und flattert eine Zeit lang bis zur Wiederöffnung schlaff im Fahrtwind. Der Schirm tendiert je nach Typ mehr oder weniger energisch zum Wegdrehen auf die eingeklappte Seite. Auch ein Vorschießen, vor allem bei harten Klappern kann Auftreten.

Negativspirale

Damit ist ein mehr oder weniger kontrolliertes und absichtlich verursachtes Negativ-wegdrehen des Gleitschirmes gemeint. Der Schirm rotiert über dem Piloten wie die Rotorblätter eines Helis (allerdings etwas langsamer und der Pilot sollte sich tunlichst mitbewegen). Die Negativspirale gehört zu den neueren Flugfiguren und bleibt den Profis vorbehalten. Es gilt also das zur B-Spirale Gesagte.

Ohrenanlegen / Big Ears

Nichts anderes als das gewollte, symetrische Einklappen der Flügelenden, durch das Herunterziehen der äußeren A-Leinen. Durch das Ohrenanlegen wird die Fläche des Gleitschirm verkleinert, der Gleitschirm sinkt schneller. Durch den Einsatz des Beschleunigers werden Sinkwerte von bis zu 4 m/s erreicht. Der Gleitschirm bleibt hierbei über die Gewichtsverlagerung steuerbar. Beendet wird diese Abstiegshilfe durch das Freigeben der A-Leinen und ggf. durch Anbremsen des Schirms.

Von Big Ears spricht man, wenn auf diese Weise ca. 2/3 des Schirmes eingeklappt werden. (Ja, selbst damit fliegt ein Gleitschirm.)

Parawaiting

Gelegentlich kommt es auch mal vor, daß das Wetter am Startplatz fast, aber eben noch nicht ganz flugtauglich ist. Dann stellt sich regelmäßig die Frage: Warten oder starten? Meistens sitzen dann etliche Flieger am Start herum und warten darauf, daß sich der erste "Winddummy" rauswagt, um nachzuschauen, ob schon Aufwinde vorhanden sind oder nicht. Falls ja, starten alle anderen lemmingartig hinterher, falls nicht, wird der Dummy ausgelacht. Das ganze Spiel nennt sich in der Fachsprache auch "Extreme-Parawaiting". Schließlich betreiben wir hier eine Extremsportart!

Sackflug

Bei zu geringer Geschwindigkeit kann die Strömung am Gleitschirm abreißen und der Schirm in den Sackflug geraten. Die Sinkgeschwindigkeit liegt je nach Schirm bei ca. 3-6 m/s. Zum Ausleiten des Sackflugs werden die Bremsen zügig aber nicht zu schnell freigelassen, damit der Schirm wieder Fahrt aufnehmen kann.

Soaren

Fliegen im Hang-Aufwind. An Hängen, die vom Wind angeströmt werden, entsteht ein Aufwindband, das von Gleitschirmen und Drachen genutzt werden kann. Abhänging von Hangneigung und -beschaffenheit sowie Windrichtung und -stärke kann stundenlang im Hangaufwind gesoart werden.

Steilspirale

Die effektivste Schnellabstiegsmethode. Hierbei leitet der Pilot, am besten mit Unterstützung durch Gewichtsverlagerung, eine steile Kurve ein, die er beibehält. Durch weiteres Ziehen der kurveninneren Bremse werden so immer höhere Sinkwerte erreicht, bis sich der Schirm zuletzt auf die "Nase" stellt; die Eintrittskante also Richtung Erdboden zeigt. Die Flugbahn sieht dabei aus wie die Wicklungen eines Korkenziehers.
Da bei der Steilspirale Spitzenwerte von bis zu 20 m/s erreicht werden können (das entspricht einer Geschwindigkeit von 72 km/h) und die Ausleitung nicht immer unproblematisch ist, sollten die ersten Spiralen möglichst unter Aufsicht und über Wasser geflogen werden.

Vrille

Auch Negativkurve, Trudeln, einseitiger Strömungsabriß.

Von einer Vrille spricht man, wenn die Strömung auf einer Flügelhälfte abreißt. Dieser Strömungsabriß bringt die Hälfte in eine Rückwärtsbewegung während die andere Hälfte noch vorwärts fliegt.Es ergibt sich eine Rotation um die Hochachse, meist verbunden mit Taumelbewegungen, die sehr heftig ausfallen können.

Windenschlepp

Starten wie die Segelflieger :-) An einer Seilwinde wird der Pilot in die Luft gezogen und klinkt sich dann aus. Gerade für Flachländer die Möglichkeit in die Luft zu kommen ohne jedes mal 500 km bis zum nächsten Berg fahren zu müssen. Voraussetzung hierfür ist ein Windenschein.

Wingover

Auch Rollen genannt. Ein Wingover ist gemeint, wenn man den Schirm abwechselnd rechts und links auf über 90° Querlage aufschaukelt. Dies geschieht durch Bremseinsatz, Gewichtsverlagerung und dem Stützen der jeweils entlastungsgefährdeten Schirmhälfte. Hierbei ist die Gefahr von Seitenklappern mit anschließenden Verhängern nicht zu unterschätzen. Also eine nicht ganz einfache, dafür aber dynamische Flugfigur, die einen Höllenspaß machen kann.

Zugegebenermaßen eine kurze und nicht nicht vollständige Aufzählung. Aber wenn Euch die Begriffe hier nicht ausreichen, macht es eh nichts aus. Denn wer es so genau wissen will, wird schon bald in einer Flugschule die Schulbank drücken. Für diejenigen, die sich aber auch schon davor schlau machen wollen, sei folgende Netzadresse erwähnt: http://www.verheddert.de/para/abc.html

http://www.gleitschirm-faq.de/Einsteiger/Glossar