Vorbereitung und 2 Starttechniken
Es gibt die verschiedensten Starttechniken. Im wesentlichen sind das:
- Vorwärtsstart –das kennst Du aus der Flugschule
- Rückwärtsstart, Bremsleinen "gekeuzt" in der "richtigen" Hand
- Rückwärtsstar, Bremsleinen in der "falschen Hand" mit „loslassen“ nach dem Eindrehen
- Sog. "australisch" mit A-Gurten in einer Hand
Hey, wenn Du mit Deiner "alten" Technik immer gut zurecht kommst, hast Du nicht wirklich einen Grund irgend etwas zu ändern. Ich meine auch, alle diese Techniken haben bei bestimmten Bedingungen oder Geräten ihre Berechtigung und sind daher sinnvoll.
Nur: wenn Du "Deine" Technik beherrscht, kennst Du auch deren Nachteile. Die hier vorgestellte Küng-Technik ist eher ein Zusatzangebot an Dich. -Kein Muss, kein Zwang. –Dies ist ein freies Land. Mich hat sie schlicht überzeugt.
Probier halt aus, ob sie für Dich richtig ist.
Weshalb? Nun vordergründig reden wir natürlich "nur" über eine weitere Starttechnik.
Weitergehend erweitert Mad Mike Küng aber das Einsatzgebiet des Gleitschirmes ganz erheblich. Die Technik erscheint mir sicherer und kontrollierbarer, als alles andere was ich bisher selbst beherrscht habe.
Aber das wichtigste an sich: Mal endlich Spaß haben beim Bodenhandling! Wir haben uns lang genug gelangweilt!
Vorbereitung:
Du stehst rückwärts. Schirm rund vor Dir ausgelegt, Kappe geöffnet, leicht aufstehend.Dazu greifst Du direkt von oben auf die C &D Leinenschlösser.
Richtig: auf die Schlösser (Aber bitte nicht hinein! Abgerissene Fingerglieder sind kein Zeichen überzeugender Starttechnik ;-)
Hinweis: Es erscheint mir immer als sinnvoll und notwendig durch leichtes Anheben des Schirms Windrichtung und -stärke vorab zu testen. Das hilft Dir
- beim Auslegen der Kappe
- zeigt Dir genaue Windrichtung
- Du kannst die Leinen in Ruhe kontrollieren
Beine leicht angewinkelt, gibst Du dem Schirm aus der Hocke heraus einen leichten Impuls nach hinten.
Der Schirm soll in diesem Stadium den Boden -wenn überhaupt- nur minimal verlassen (30cm max.)
Wenn es Dir zu stark ist, sofort und heftig durchziehen. Der Spuk ist dann sofort zu Ende und der Schirm liegt wieder vor Dir.
Zur Technik an sich:
Start Variante 1:
"Tobias Schreiner" führt aus:
Wenig gestreckte Schirme, die bei Nullwind gut starten, eignen sich dafür in der Regel hervorragend (...für diese Technik). Hinten-Hängenbleiber ziehen dich einfach in die Pampa, bei gestreckten Hochleistern kommen oft nur die Ohren hoch und schlagen im V zusammen. Mit einem Schirm, bei dem´s klappt, ist´s aber ein Heidenspaß. Ichhab´s probiert (und geschafft) mit Octan, Epsilon3, Dragon. Mit dem Proton und dem Radical hat´s nicht geklappt, die haben die Ohren zuerst hochgenommen.
Geh´n wir´s also an: Du greifst direkt von oben auf die C&D Leinenschlösser. Nein mach Dir nicht die Mühe über Kreuz zu fassen Du willst die Leinen genau so vor Dir haben, wenn der Schirm steht.
Dann gehst Du leicht in die Hocke und gibst dem Schirm durch den Oberkörper einen satten Impuls nach hinten.
Der Schirm hebt sich und wird über Dir stehen.
Diese Variante funktioniert bei bestimmten Schirmen nicht. Sie kommen ohne Führung nicht hoch. Du gehst dann über zu der 2. Variante.
Variante:
Du steuerst das Ganze über C&D durch nicht zu zaghafte Impulse. Gegebenenfalls mußt Du noch mal mit einer Hand auf eine A-Leine umgreifen um den Schirm leicht anheben um zu korrigieren.
Wichtig: Warte dann am Boden eine ruhige Windphase ab.
Greife mit dem Daumen in die Steuerleine, die Du nach dem Ausdrehen in der Hand behältst. (–Pst: das ist Deine Schokoladenseite)
Dann dreh dich aus und greife im selben Moment mit der freien Hand nach der anderen Steuerleine.
Nun bist Du "Ready for Take off."
Hinweis: Es wird Dir nun auch klar, weshalb Du eine ruhige Windphase abwarten solltest:
- Du hast für den Bruchteil einer Sekunde nur eine Bremsleine zur Verfügung.
- Du mußt Dich so nicht mehr ausschließlich den Umgebungsbedingungen widmen, sondern kannst so Deine Aufmerksamkeit auf das Umgreifen verwenden.
"peter bruckner" schrieb hierzu in Ergänzung:
bei all den beschriebenen Varianten kann wunderbar durch Einsatz der Hüfte (Wegdrehen) der Schirm mitkontrolliert werden, sollte er sich beim Start/wenn er über Dir ist, versuchen sich Weg-zu-Drehen.- bei starkem Wind C-D-Leinen greifen und sich mit Schwung rückwärts hinsetzen, der Schirm steigt schnell, Du stehst auf, bremst ein wenig über die C-/D-Leinen und Dich zieht es ad hoc 3 und mehr Meter hoch. Kontrollierter Zug an C-/D-Leinen und Du bleibst in der Luft oder schwebst langsam zu Boden. Is wie Jo-Jo Spielen und macht mächtig Spaß. Voraussetzung: genügend starker Wind.
Gefahr: zu starker Zug an den Leinen bringt Dich unsaft zurück zum Boden !!!
Aber es gibt ja sicherlich noch 1001 nette Möglichkeiten, mit dem Schirm zu spielen, z.B. schräg sich über den Hang vom Schirm hochziehen lassen und sich dann dynamisch Auszudrehen .....
Einfach sich dem Spieltrieb hingeben ..... :-
"Werner Griesshaber" schrieb darauf: (Okay: ich zitiere mich hier selbst...)
Das "Aushebeln", das Du beschreibst, erscheint mir auch für sehr erfahrene, routinierte Piloten nur sehr eingeschränkt ratsam. Da muß schon alles automatisch ablaufen und man behält besser einen sehr kühlen Kopf. Richtigist aber, daß Du tatsächlich durch den Griff auf C&D den Schirm kontrollierst und nicht umgekehrt. Ich selbst bevorzuge es, erst mal zu stehen, Schirm über mir, alles in Ordnung zu wissen und dann los zu toben. Okay: das hat Gründe, die in einem meiner Unfälle liegen. Ich denke aber, ich verpasse nix in der einen halben Sekunde, fühle mich sicherer und kann dann richtig los legen.
Start Variante 2
- Du greifst auf die A- Leinenschlösser. (Nein, nicht über Kreuz!)
- Auch hier gehst Du wieder leicht in die Hocke. Nun gibst Du den Impuls über die Leinen und unterstützt das Ganze durch Zurücklegen des Oberkörper.
- Ungefähr im letzten Drittel des Aufsteigens greifst Du wieder von oben auf die C&D Leinenschlösser. Die liegen bei manchen Schirmen sehr eng an und es bedarf etwas Übung nicht die B-Leinen zu erwischen.
- Mt C&D steuerst Du dann das letzte Drittel des Steigens und verhinderst damit das "Überschiessen".
- Auch hier steuerst Du den Schirm weiter über C&D. Gegebenenfalls mußt Du noch mal mit einer Hand auf eine A-Leine umgreifen um den Schirm leicht zu korrigieren.
- Ruhige Windphase abwarten, mit dem Daumen in die Steuerleine, die Du nach dem Ausdrehen in der Hand behältst, ausdrehen und im selben Moment mit der freien Hand nach der anderen Steuerleine greifen. "Ready for Take off."
Du hast also nun den Schirm über Dir. Was nun? Simpel:
- Du hast die Entscheidung bereits beim Auslegen getroffen, ob der Wind für dich paßt oder nicht. Also: Du verabschiedest Dich.
- Du merkst erst jetzt: Es paßt ja doch nicht. (Manche brauchen dafür manchmal etwas länger...)
Da gibt´s nur eins: wieder leicht in die Hocke, und im hochkommen blitzschnell rückwärts umdrehen, in die C&D Schlösser greifen und den Flügel durch heftigen Impuls auf den Boden zwingen.
-Es hilft bei diesem Prozess 2 bis 3 Schritte rückwärts mit dem Schirm mitzugehen und erst dann einzudrehen. - Du fängst das Spielen an. (bitte nicht am Sartplatz wenn andere warten! Diese Art von Showeinlagen haben nicht den erwünschten Bewunderungseffekt. Das Volk reagiert darauf mit ziemlichem Unmut. -berechtigterweise!)