Starkwind und Zukunft
Hohen Schule des Bodenhandling
Rahmenbedingungen haben wir besprochen.
Bitte nicht bei heftigem Starkwind erstmalig probieren. Langsam & kontrolliert heran arbeiten! Unbedingt darauf achten, daß Ihr genügend Arbeitsfläche vor Euch habt Bäume, Abhänge, Lee & Personen beachten Kopfschutz und Handschuhe sind jetzt nicht allein Pflicht, sondern notwendiges Arbeitszeug.
Ansonsten: Starttechnik wie vor:
Variante 1: Du greifst direkt von oben in die C &D Leinenschlösser. Schirm durch den Oberkörper mit einen satten Impuls nach oben.
Variante 2: Du greifst auf die A- Leinenschlösser und führst den Schirm hoch.
Der Schirm hebt sich und wird über Dir stehen. Du steuerst das Ganze über C&D - jetzt wirklich mit kräftigen Impulsen über beide Arme gleichermaßen.
Du bemerkst: Um eine Reaktion des Schirms zu erreichen braucht es schon den richtigen Einsatz körperlicher Gewalt. Nur so bleibt der Schirm bleibt nun die ganze Zeit über Dir.
Es gilt jetzt insbesondere: Flossen weg von Steuergriffen!
Wenn´s zu heftig wird und Du auch mit C&D nicht mehr zurecht kommst, provoziere einen B-Stall. Das mußt Du an dieser Stelle kennen und geübt haben. Hier kann es zu spät zum Üben sein. B-Stall muß sitzen.
Hey mal ehrlich und ernstlich: Hör auf wenn es Dir zu viel ist.Starkwind ist nicht der richtige Zeitpunkt um Grundlagen zu erarbeiten. Du wirst dort physisch und besonders psychisch an Deine Grenzen gebracht. –da brauchen wir über Deine Technik noch nicht mal zu reden.
Ernstlich: Deine Konzentration läßt unter der Anspannung sehr schnell nach. Du machst einen Fehler nach dem Andern. Das hat für Dich dann keinen Funcharakter mehr. Dein Verletzungsrisiko steigt im selben Verhältnis wie Du ausgepowert bist.
Also: Gönn´ Dir nicht nur ne Pause. Plane sie ganz bewußt ein.
Ich rede dabei weniger vom körperlichen Kraft schöpfen: Du brauchst diese Zeit um das Gelernte für dich im Hirn aufzuarbeiten. Dir über bestimmte Vorgänge klar zu werden. Hey und wenn Du für Dich in dieser Ruhephase zur Erkenntnis kommst, daß es für Dich zu viel ist: Hör tatsächlich ganz auf. Das ist voll in Ordnung.
Ich sag´s nochmal: Basis unseres Handels in Grenzbereichen ist die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Grenzenlose Selbsüberschätzung bleibt den Pubertieren vorbehalten. Aber auch die lernen über Kurz oder lang ihre Grenzen kennen.
Wir können und sollen unsere Grenzen erweitern. Dafür lernen wir. –wozu sonst?
Wir müssen aber nur Matsche im Kopf sein, uns bei Sturm in den offenen Pazifik zu schmeißen zum schwimmen lernen. Lernen wir dann etwas? Nein. Wir kämpfen nur ums Überleben. Selbst wenn wir dann wieder heil raus kommen: Wir waren so mit uns selbst beschäftigt, mit unserer Angst, daß wir keinerlei Gelegenheit hatten, irgend etwas zu lernen. Wir können uns solche Situationen also grad so gut ersparen. Hey und wer sagt denn, daß wir im Sturm schwimmen müssen?
Mal ehrlich: Wir geh´n schwimmen weil wir dabei Spaß haben, uns entspannen wollen. Das ist mit den Fliegen nicht anders. ´tschuldigung: Wir wollen unseren Spaß!
Hirn wieder klar und auf Empfang? Herz auf Normalfrequenz zurück geschaltet? (Lesen kann ganz schön anstrengend sein, puh! :-)
Also: Zurück zur Schirmarbeit:
- Schirm hoch, stehen lassen.
- Dann läufst Du los.
- Seitlich, neben den Gurten. Aber weiter unter dem Schirm. Rechts wenn Du willst.
- Schirm bleibt oben. Nicht nach unten, nicht auf 2/3. Oben. Stehen bleiben. Jetzt auf die andere Seite wieder rüber zum Ausgangspunkt. Schirm immer oben.
Hast Du kurz vor dem Halt bemerkt, daß Dein Schirm weiter will?
Okay. Das ganze noch mal:
- Ab nach rechts mit Schwung. Kurz vor dem Wendepunkt: Reiß mal die Beine hoch!
- Nein! Nicht sich an den Gurten in Deiner Hand hochziehen. Damit bewirkst Du just das Gegegnteil: Deinen Untergang! Weißt Du doch!
- Im Gegenteil: Entlaste die Gurte. Der Schirm wird dich hoch tragen. Weißt Du doch auch!
- Also zurück das Ganze! Anlauf, Beine hoch, fliegen. Kurz vor dem Wendepunkt kräftige Impulse über C&D: Punktlandung. Super!
- Das Ganze kannst Du durch Deine Lauftechnik unterstützen.
- Er trägt dich zu hoch? Spannung auf Gurte erhöhen. Harte, kräftige Impulse geben und runter kommen!
- Bei Deinen Sprüngen wirst Du erneut bemerken, daß es dich in der Luft nicht ausdreht. Du kannst dich regelrecht von den Gurten abdrücken.
Gratulation!
Noch kurz zur Körperarbeit:
Im ganzen Script bin ich nur sehr am Rand auf die eigentliche Körperarbeit eingegangen. Stimmt.
Aber zum einen gleicht der Mensch bestimmte Bewegungen schon rein intuitiv aus. Druck setzt er Gegendruck entgegen oder er gibt dem Zug eben nach.
Ich gebe zu: Mir fällt es regelrecht schwer, meine –zum Teil geringen und intuitiven Bewegungen- zu ananlysieren und dann auch noch zu beschreiben. Sicher keine professionelle Einstellung. -ich weiß...
Zum anderen bin ich aber schlicht der Meinung, daß sich das Training des Körpereinsatz zum Fliegen am besten in der Luft, bei ruhigen Bedingungen erarbeiten läßt. –Mich stört am Boden eben schlicht, daß meine Beine bis zur Erde gehen und dorthin die entstehenden Kräfte des Flügels ableiten.
Insofern halte ich das Bodentraining eben auch für eingeschränkt geeignet, Flugzustände zu simulieren.
Ich nutze dazu am liebsten die viel geschmähten Abendflüge. Da bin ich meist ruhig. Hab mich am Tag ausgetobt. Klar ist das auch der Morgen dazu geeignet. Aber dort bin ich zu wibbelig –zu heiß auf´s fliegen. Da sitz ich lieber am Berg und studiere die Konditionen. ´s könnt ja jeden Moment los gehen und man verpaßt was.
Also wie gesagt: Für mich ist´s der Abend. (Ich muß mir heute mal dringend vornehmen, dann auch wirklich mal wieder vorwärts raus zu gehen und in den roten Abendhimmel zu fliegen.) Dann der viel belächelte Abgleiter bei Nullwind. Wenn ich "safe" und über den Bäumen bin, schließe ich die Augen und lasse die Bremsen los. -breite meine Arme aus und fliege nur gerade aus. Klingt albern? Okay entspricht definitiv auch nicht den Vorstellungen des DHV an sicheres Fliegen! Insbeondere dann nicht, wenn man das zu lang macht und dann "sanft inspiriert" unten unsanft einbombt...
Mit andern Worten: Die alte Sache. Kontrollblick nicht vergessen! ;-)
Nein im Ernst: Behalte mal bei einem solchen Abendflug die Leinen oben und steuer das Gerät mal ausschließlich über den Körper ohne Einsatz der Bremsen. Es ist ganz erstaunlich, wie wenig man tun muß!
Hangsoaring in laminarem Wind gibt dir den selben Lerneffekt. Versuch mal oben zu bleiben, in dem Du nur mit dem Körper steuerst.
So und nun kommen wir zu einer ganz neuen Dimension des Gleitschirmfliegens:
Vordergründig hat uns Küng sicherlich eine wunderbare -weil sichere- Starttechnik entwickelt. Weitergehend hat er jedoch mit seiner Technik sehr viel tiefer und weiter in unseren Sport und Gerät gewirkt. Wir können den Schirm als Kite benutzen
- Er hat uns damit eine Technik vermittelt, mit der wir "das Produkt" Gleitschirm in neue Dimensionen nutzen können.
Da wo wir bislang eingepackt haben, geht nun der Spaß am Boden erst los! Die Kneiper werden weinen, die Fitneß Studios neue Mitglieder werben müssen... - Wir werden auch den sportlichen Wettkampf weiter treiben können. Ich meinerseits weiß, daß wir unsere Flügel nun wie die kleinen Segel einsetzen können. Mike hat mir die Kosten für so ein Spielgerät gespart. (Nein, das Geld bleibt hier und wird nicht an ihn überwiesen! :-)
Gerade hier in der Ebene: Jumps sind nur ein Element! Fun- Parks, Parcours etc., wurden ja als neues "Feld der Auseinandersetzung" mit dem Naturschutz bereits vorgeschlagen. :-) - Aber warte mal bis der Winter kommt!
Wir brauchen nicht mehr zu überlegen, alte Segel zu zerschneiden, über verdrehte Einhängtechniken zu diskutieren: Skier oder Snowboards angeschnallt und mit "Küng-Technik" über die Felder geknallt! - Ich wäre nicht überrascht unsre Paras mit Küngtechnik irgendwann auch auf dem Wasser zu erleben. Okay für´s DHV-Sicherheitsreferat das Ganze dann vielleicht mit Schwimmflügeln -Vorschrift & Check?
Tja und nun: "Viel Spass!" - Lauf Dir Deine kleine Lunge raus! - Spring bis Dein Herz es nicht mehr mitmacht! - Tob Dich aus!
Vergiß aber auch nicht zur Ruhe zu kommen unter Deinem Schirm.
Nutze für Dich das ganze weite Spektrum:
Vom meditativen "nur" im Wind stehen bis hin zu den Riesenjumps
Pssst: ...und wenn Du "Küng de King" treffen solltest, sag einfach: "Danke Mike!"