Der Cobrastart

Rüdiger (RAc) hat im DHV-Forum bereits den relativen neuen und innovativen Kobrastart als Starkwindvariante erläutert. Eine weitere Anleitung zum Kobrastart findet sich im Gleitschirmmagazin, dass im Heft 1/2 2003 einen Artikel veröffentlicht hat, der jetzt online ist und als pdf zum Download bereitsteht.

Hier nun aber Rüdigers Beitrag über seine Erfahrungen mit der Schlangentechnik:

  • Es ist eine sehr effiziente Starkwindtechnik
  • Es ist leicht für diejenigen zu lernen, die beim Spielen die Hinterkante ohne Bremsen steuern
  • Es kann nur wirklich bei Starkwind geübt werden
  • Es hat wenig Relevanz für die Flugpraxis (außer beim Starten und s.u.), aber:
  • Es eröffnet auch den erfahrenen Bodenhandlern neue Dimensionen.

Die Grundidee besteht darin, den Schirm komplett einseitig zu kontrollieren und dabei die andere Seite als "totes Gewicht" mitzunehmen. Das Ganze hat nur in sofern für die Flugpraxis Wert, als daß damit eine klapperähnliche Situation erzeugt wird (Schirm ist einseitig entlastet), was am Boden aber weniger von Bedeutung ist. Muß man mal gucken, was man alles daraus machen kann...

Also hier der Cobrastart in drei Schritten:

  1. Wir legen den Schirm ganz normal aus, aber anstatt mit den Händen an die A- oder D Gurte zu gehen, geht eine Hand an einen A-Gurt und die andere Hand an den D-Gurt derselben Seite. Dabei nix wild überkreuzen, sondern die Hände und Gurte so abgleichen, daß maximaler Bewegungsspielraum entsteht.
    Jetzt ziehen wir diese Schirmhälfte am A-Gurt hoch und hindern sie durch die Bremse am Hochkommen, versuchen also, die Seite auf ca. 30° zu balancieren (das Spiel kennen Küng Jünger bereits, aber mit beiden Flügelhälften). Sollte der Wind zu sehr entgegenspielen, können wir einfach so sehr am A-Gurt ziehen, daß die Seite völlig umklappt. Die andere Flügelhälfte liegt einfach nur so vor sich hin und kommt mit oder auch nicht. Ist auch egal.

  2. Wir ändern jetzt den Zug so, daß mehr Zugkraft auf den A-Gurt kommt, und entlasten die Hinterkante. Jetzt kommt die Schirmhälfte fast senkrecht hoch, also mit der Eintrittskante 90° zum Boden. Wenn der Schirm überzukippen droht - Zug auf A wegnehmen und auf D verlagern. Und umgekehrt. Den Schirm in dieser Position halten. Das ganze erinnert an Schlangenbändigen, da die Kappe sich je nach Belastung S-förmig hochschlängelt. Deswegen wohl auch der Name.
    Anmerkung
  3. Wenn wir damit sicher sind, ziehen wir den Schirm auf diese Weise senkrecht so hoch wie es geht und verlagern etwas Zug auf die Hinterkante und lassen den Schirm leicht nach hinten, d.h. in Windrichtung abkippen. Der Wind hat hierdurch mehr Angriffsfläche, füllt den Schirm etwas mehr und durch die Ausgleichsöffnungen strömt Luft in Richtung unteren, noch nicht aufgezogenen Hälfte.
    Aber: Du darfst währenddessen den Zug auf der A-Leine nicht so sehr nachlassen, daß der Schirm ganz wegkippt! Beide Arme bleiben also so angewinkelt wie sie vorher waren, nur die Hinterkante bekommt mehr Zug. Aber auch die Vorderkante muß immer noch Zug haben. Und zwar Zug sowohl zu Dir hin (um das Aufsteigen zu unterstützen) als auch Zug gegen den Wind (um den Anstellwinkel zu halten).
    Nun hast Du mehr Schirm, aber auch mehr Zug nach hinten, der Wind droht den Schirm halbseitig wegzukippen. Also verteilst Du jetzt den Zug wieder mehr Richtung Vorderkante, bis der Schirm wieder in den Wind steht. Ergebnis: Du bist erneut am Ausgangspunkt, nur hast Du jetzt mehr Schirm in der Luft! Die Prozedur kannst Du jetzt wiederholen, bis die Kappe ca. 3/4 gefüllt ist, dann kommt sie von selber hoch, und dann bist Du da, wo Du warst, als Du das Umgreifen nach normalem Aufziehen geübt hast.
    Wir brauchen uns nur unter die Mitte zu stellen und umzugreifen. Wir können aber auch in dieser Position weiterspielen.

Wem Schritt 1. zu suspekt ist, der kann auch normal aufziehen und dann, wenn der Schirm sauber steht, auf A und D derselben Seite umgreifen und sich auf die Art und Weise an die Technik rantasten. Ist übrigens auch eine gute Bremstechnik am Boden, also auf einseitig umgreifen und die Seite als ganzes auf den Boden zwingen.

Rüdiger
http://www.gleitschirm-faq.de/Praxis/Groundhandling/article_012