Emberger Alm - Mokar-Spitze - Stagor
Flaches Dreieck 31 km (anschließende freie Strecke nach Matrei ca. 60
km)
Startzeit 13:50 Uhr, Flugdauer 4:30 Stunden
Pilot: Sebastian Amann
Im Rahmen eines Streckenflugseminars im April 2000 mit Peter Geg konnten wir nach einigen streckenuntauglichen Tagen endlich an der Emberger Alm den ersten Flug versuchen. Da es am Morgen noch recht regnerisch aussieht, schreibe ich für diesen Tag nur ein kleines Dreieck mit 30 Kilometern aus. Die Strecke ist dann auch recht mühsam zu fliegen. Niedrige Basis und stetiges Hochkämpfen bescheren mir aber nach 2 Stunden doch den Erfolg das Zielfoto zu machen.
Der 2. Wendepunkt Stagor ist etwas schwierig, da ich mich zunächst am Stagor mit immer wieder neuen Bärten hocharbeiten muß und genügend Höhe brauche, um den Gipfel aus dem Sektor zu fotografieren. Als ich endlich genügend Höhe habe, zieht die Wolke über mir so stark, daß ich wieder Höhe vernichten muß. Durch die niedrige Basis habe ich nicht viel Arbeitshöhe zur Verfügung. Zu tief will ich auch nicht über den Gipfel weg fliegen, da ich fürchte, sonst hinten im Lee abzusaufen. Nach drei Anläufen habe ich das Foto endlich geschafft. Bei turbulenten Verhältnissen aktiv fliegen und gleichzeitig das Foto machen ist gar nicht so einfach!
Das Zielfoto geschafft und nach 2 Stunden landen gehen, wo die Thermik doch jetzt erst richtig gut wird? Nein, das will ich auch nicht. So beschließe ich, Richtung Westen wegzufliegen. Wir haben an diesem Tag Wind aus Ost mit ca. 10 - 15 km/h. Zunächst fliege ich die gleiche Strecke wie vorher, jedoch mit mehr Höhe. Dann fliege ich weit hinten in den Bergen zum Sandfeldkopf. Ich komme fast mit Nullschieber voran und sehe am Sandfeldkopf einen Drachenflieger Höhe machen. Das gibt mir die Zuversicht, dort ebenfalls weiter zu kommen
An der gleichen Stelle aufgedreht, genügt die Höhe gerade so, um vorne beim Dannknopf über den Grad Richtung Lienz zu kommen. Ich weiß, daß ich hier sofort thermischen Anschluß brauche. Komme ich unter den Grad, bin ich gerade bei dem heutigen Wind im Lee, und hier soll es recht schnell und turbulent nach unten gehen. Wo ich es vermute, geht es hoch und meine Sorgen sind dahin. Weiter Richtung Westen kann ich dann bis zur Basis aufdrehen und jetzt erstreckt sich vor mir eine wunderbare Wolkenstraße bis fast zum Zettersfeld.
Im Geradeausflug und zum Teil mit Ohrenanlegen geht´s dann mit 50 km/h über Grund weiter. Zunächst wollte ich über Lienz zum Pustertal hinüber queren. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sind die Hänge, an denen ich ankomme werde, im Schatten und es ist nicht mehr mit Thermik zu rechnen.
Also fliege ich weiter Richtung Norden. Da ich zu weit draußen in Richtung Lienz fliege, verliere ich deutlich Höhe und komme erst bei 1700 m wieder am sonnen- beschienenen Hang an. Den fliege ich entlang, bis ich wieder geringes Steigen habe. Sehr langsam komme ich höher. Weit über mir fliegen Segelflieger vorbei, ohne auch nur eine Kurve zu machen. Ich beneide sie um diese Höhe. Nach längerem Kämpfen kann ich mich freuen: ich bin auch wieder hier oben.
Jetzt gehts wieder fast nur gerade aus bis zum Roten Kogel bei Matrei. Hier mache ich noch mal Höhe. Die Sonne steht schon sehr tief, mir ist inzwischen auch sehr kalt geworden. Thermik wird es eh nicht mehr lange geben. So gleite ich noch so weit wie möglich in das vor mir liegende Tal.
Um 18:20 Uhr lande ich auf einem Landeplatz bei Obermauern, der mit einem Windsack versehen ist. Und daneben finde ich einen Bauernhof mit Landezeugen.
Der Flug Richtung Alpenhauptkamm war einfach gigantisch. Die vielen weiß verschneiten Berge. In der Abendsonne das Pustertal mit nur weißen Gipfeln. Und auf den letzten 2 ½ Stunden kein einziger Gleitschirmflieger, ich war außer den Segelfliegern und einem Drachenflieger völlig allein in der Luft. Egal ob diese Strecke für die Streckenflugmeisterschaft was bringt. Für mich war es fantastisch.
Sebastian Amann