Thermik und Wolken
Dieser Text beschäftigt sich hauptsächlich mit unseren besten Thermik Indikatoren, den Wolken. Es gibt dutzende von Büchern über Ablösungsintervalle, Instabilität und ähnliches. Die Ideen, die hier vorgestellt werden sind eher praktischer Art und beschäftigen sich mit Wolken und anderen Hinweisen die am Himmel zu finden sind. Die ist kein ein meteorologischer Fachtext, bitte vergebt mir die groben Vereinfachungen die ich mache.
Die Basis für das Verständnis was in der Luft vor sich geht kommt vom Beobachten; das Lesen von Büchern (oder Artikeln wie diesem!) hilft, aber du brauchst dein bordeigenes Erklärungssystem für die Abläufe in der Luft um gut zu fliegen. Jeder gute Pilot, den ich kenne, hat sprichwörtlich tausende von Stunden damit verbracht, den Luftraum zu beobachten und versucht herauszufinden was da oben vor sich geht. Ich habe viele Tage auf dem Rücken liegend damit verbracht, den Himmel über mir zu beobachten und diese Zeit war mit am besten investiert. Werden die Wolken in kleine Stücke verblasen? Bleiben sie relativ konstannt über einem bestimmten Punkt oder bilden sie sich über einem Punkt und bewegen sich dann mit dem Wind und bauen sich dabei ab? Bilden sie sich periodisch, als kleine Schleier startend, dann immer solider werdend bevor sie abbauen, oder bauen sie sich sehr schnell auf und verschwinden dann langsam? Haben sie eine scharfe, flache Unterkannte oder eine runde, pilzartige Erscheinung? Jede Antwort auf diese Fragen erschliesst Wissen über die Thermik die diese Wolken gebildet hat. Wolken sind unendlich unterschiedlich aber ich glaube sie haben eine Systematik die man verstehen kann wenn man sie beobachtet.
Das Idee ist, dass Wolken sich zyklisch bilden, abhängig von der Thermik die sie speist. Wenn sich die warmen Luftmassen heben, können sie irgendwann eine Höhe erreichen, in der die innewohnende Feuchtigkeit kondensiert. Dieser Prozess besteht nur solange die Thermik die sie speist aktiv ist (Kondensations 'Pumpen' verhalten sich grundsätzlich gleich wie Thermik, deshalb schliesse ich sie hier der Einfachheit mit ein). Irgendwann wird der Kollektor oder das Reservoir an warmer Luft am Boden leer sein, aber die Wolke wird noch von einer aufsteigenden Warmluftblase gefüttert. Wenn keine aufsteigende Luft mehr die Wolke nährt, dann beginnt sie sich abzubauen. Zu diesem Zeitpunkt wird kein Steigen mehr unter der Wolke anzutreffen sein. Deshalb gibt es bei vielen vielversprechenden Wolken oft kein Steigen wenn man unter ihnen fliegt, sie sind zwar noch schön, aber am Ende ihres nutzbaren Zyklus.Wenn sich Wolken abbauen, dann werden sie gewöhnlicherweise sinkende Luftmassen produzieren, was ärgerlich ist, wenn du sie angeflogen bist um dich zur Basis zu katapultieren. Viel sinnvoller ist es, sich in die aufsteigenden Luftmassen unter sich gerade bildenden Wolken zu begeben. Wie kann man sie also auseinanderhalten?
Eines der einfacheren Spiele mit Wolken ist es, versuchen vorherzusagen ob sich eine Wolke gerade bildet oder abbaut. Bevor ich das im Flug mache, spiele ich das Spiel gerne während ich den Rasen mähe, beim Fahren oder wenn ich aus dem Bürofenster schaue (*BG* anm.d.Ü.) Wähle dir eine Wolke aus und treffe eine augenblickliche Entscheidung: bildet sie sich oder baut sie ab? Dann beobachte die Wolke. Wenn sie sich bildet, wird sie wachsen (entweder vertikal oder horizontal oder beides) und dabei immer undurchsichtiger werden (mehr kondensiertes Wasser bedeutet dass sich kleine Schleier zu soliden weissen, dann grauen Wolken formen). Wenn sie sich abbauen, dann werden sie immer durchsichtiger und kleiner und zerfallen langsam in kleinere Stücke. Wie lange dauert dieser Prozess? Zwei Minuten? Zehn? Zwanzig? Oder baut sich die Wolke immer weiter auf, zu einem deinen Schirm verschlingenden Monster? Mit nur einem Blick auf die Wolke kann ich selten eine gute Vorhersage machen, aber wenn ich sie für 1-2 Minuten beobachte, dann weiss ich normalerweise in welche Richtung sie sich entwickelt. Ich glaube dass es absolut unumgänglich ist, den Lebenszyklus von Wolken zu vestehen und zu erkennen, wenn man XC fliegen will; es ist das fliegerische Äquivalent zum Lesen.
Michael Champlain, einer der besseren XC Piloten den ich getroffen habe, lehrte mich einen guten Trick der hilft zu verstehen was Wolken machen, während man fliegt. Er empfahl eine Serie von geistigen 'Schnappschüssen' des Himmels während man einen Bart ausdreht. Mit jedem Kreis schaue ich windabwärts und merke mir wie die Wolken in meiner voraussichtlichen Flugrichtung aussehen. Ein langer Aufstieg gibt Zeit für 30 oder mehr 'Schnappschüsse' und mit etwas Übung habe ich gelernt zu behalten, welche Wolken sich gerade bilden oder abbauen. Nach mehrmaligem Aufdrehen geben diese 'Schnappschüsse' auch gute Hinweise über die Lebenszeit einer Wolke; Information die mir sagt, welche Wolken sich noch aufbauen, nachdem ich zu ihnen geflogen bin. Wenn der Zyklus 30 Minuten dauert, dann kann ich in 10-15 Minuten zu ihnen fliegen und werde unter einer sich immer noch aufbauenden Wolke ankommen und einen guten Bart erwischen. Generell gilt, je grösser die Distanz zwischen Wolken ist, desto länger werden sie bestehen (ein grösseres Luftvolumen speist eine einzige Wolke) und desto höher ist die Wolkenbasis. Wenn du zu einer Wolke fliegst die sich seit 30 Minuten bildet (Zyklus war 30 Minuten) und tief ankommst, sind die Chancen nicht allzu gross dass du einen Bart findst, egal wie schön die Wolke über deinem Kopf noch aussieht. Viele Piloten machen den Fehler bis zur Basis uafzusteigen, sich dann umzuschauen und zur der Wolke zu fliegen, die am 'besten' aussieht, unabhängig davon wo in ihrem Zyklus sie sich befindet. Wenn du bei einer Wolke nach ihrem nutzbaren Steig-Zyklus ankommst, dann ist das schlimmer als nur ins blaue zu fliegen, weil unter der Wolke Sinken sein wird und der Grund unter der Wolke ist abgeschattet, was deine Chancen obenzubleiben nochmals verschlechtert.
Aber wenn du nahe an der Basis deines Bartes bist und kleine Schleier sich in Gleit-Distanz bilden und du zu diesen fliegst, sind die Chancen dass du nutzbares Steigen findest viel besser.
OK, du bist auf dem Weg zu einer sich bildenden, schönen Wolke, aber wo wirst du den Bart unter ihr finden? Auch dies kann die die Beobachtung des Wolken-Zyklus sagen. Wenn der Wind in der Höhe stärker als am Grund ist, werden sich die Wolken an ihrer dem Wind zugewandten Seite aufbauen und an der dem Wind abgewandten Seite abbauen. Dies sagt dir, das der Bart sich in einem Winkel von der dem Wind zugewandten Seite vom Boden bis zur Wolke hin befinden wird. Wenn du ein GPS besitzt oder wenn du gelenrt hast deine Geschwindigkeit über Grund abzuschätzen, auch wenn du recht hoch bist, dann kannst du herausfinden wie gross der Windgradient ist und damit wie sich der Bart versetzt. Als Daumenregel stelle ich mir vor, dass Bärte bei einem Gradient von 15 KM/H bis zu 20 Grad geneigt sind, bei bis zu 30 KM/H bis zu 30 Grad, und so weiter. Der Gradient ist oft nicht linear, es gibt viele Tage an denen man einen steileren Gradienten in einer bestimmten Höhe antreffen wird. Die Thermik wird dann oft unregelmässig und turbulent, aber wenn du dich durch diese Barriere kämpfen kannst, dann kann es weiter bis zur Basis gehen. Merke dir diese Höhe und stelle dich auf einen Kampf hindurch ein, anstatt entmutigt wegzufliegen.
Einige der frustrierendsten XC Tage sind, wenn die Winde in der Höhe langsamer als am Boden sind. Ich habe diese Situation überraschend oft angetroffen und konnte nie die Bärte finden, bis ich bemerkt habe, dass sich die Wolken an ihrer dem Wind abgewandten Seite gebildet haben und an der dem Wind zugewandten Seite auflösten. Die feuchteren Teile der Wolke befinden sich auf der dem Wind abgewandten Seite und der Bart weiter in dieser Richtung.
Die Form und Beschaffenheit einer ausgebildeten Wolke geben ebenfalls viele Informationen. Wolken die höher sind als sie sich horizontal ausdehnen, bedeuten in allgemeinen stärkere Thermik und können auch auf Überentwicklungen später am Tage hindeuten. Viele Kumuli die nahe beieinander stehen, einen kurzen Zyklus haben und dabei nie einen geraden und scharfen Boden ausbilden, haben im allgemeinen keinen gutem Aufwind unter sich, allerdings wird der schwache Aufwind leicht zu finden sein, du musst nur windabwärts fliegen und wirst warscheinlich etwas finden (weil viele schwache Bärte vorhanden sind). Weil sich diese Wolken so schnell bilden, ist es nahezu unmöglich die Ankunft so zu legen, dass man unter einer Wolke dann ankommt wenn sie sich gerade bildet. Allerdings bilden sie sich in bestimmten Gebieten und die Chance dort oben zu bleiben sind grösser. An feuchten Tagen wird der Himmel vollkommen mit Wolken in fast gleichem Abstand gefüllt sein, dummerweise werden nur wenige aktiv sein, während sich die meisten gerade langsam abbauen. An trockeneren Tagen werden die wenigen vorhandenen Wolken sehr wahrscheinlich aktiv sein, aber du musst zum richtigen Zeitpunkt ankommen, wenn sie noch in ihrem aktiven Zyklus sind. Schliesslich weist ein flacher, gerader Wolkenunterrand auf einen wohlgeformten Bart hin der ununterbrochen aktiv ist. Runde, unrgelmässige Unterkanten weisen dagegen auf weniger schöne Bärte mit schwächerem Steigen hin.
An Tagen mit grösseren Wolken solltest du sorgfältig beobachten, welcher Teil der Wolkenbasis am höchsten ist; der beste Aufwind wird fast immer beim höchsten Teil der Wolke anzutreffen sein. Wenn du zur Basis aufsteigst, dann schaue dich um, unter einem anderen Teil der Wolke kannst du vielleicht höher steigen als dort, wo du unter ihr eingestiegen bist. Dies ist besonders dann üblich, wenn du an der Grenze zwischen trockenen und feuchten Luftmassen fliegst. Ich habe am Rande der trockenen Gebiete in Texas Wolken gesehen, die sich bis zu 1200m aufgestuft haben.
Die meisten Leute wollen nicht nur wissen unter welchen Wolken sie fliegen sollen, sondern auch welche sie vermeiden sollten. Es ist oft schwierig herauszufinden was deine spezielle Wolke, unter der du fliegst, gerade macht, weil du sie nicht von der Seite sehen kannst. Wenn du allerdings beim Kreisen die umliegenden Wolken beobachtest, dann solltest du genau wissen was die anderen Wolken machen. Es ist möglich dass du gerade unter der einzigen gigantischen CU-NIMB aufdrehst, aber das ist selten. Wenn der Himmel sich überall um dich herum überentwickelt, dann ist es Zeit zum Landen zu gehen, unabhängig davon was genau über deinem Kopf geschieht. Sogar grosse Wolken können regelmässige Zyklen haben. An einigen Tagen ist es möglich unter Cumuli zu fliegen, die bis zu 10 oder 15 KM Durchmesser haben, aber sobald die Wolken anfangen viel höher zu wachsen als sie breit sind, befinde ich mich gewöhnlicherweise auf dem Weg zu einem besseren Teil des Himmels oder ich gehe landen. Nach dem Landen und wenn mein Schirm sicher verstaut ist, beobachte ich gerne was nun wirklich mit den Wolken passiert über die ich so besorgt war. Befinden sie sich in einem harmlosen Zyklus oder wachsen sie weiter? Wenn sie überentwickeln, wie lange hat es gedauert ab meiner Entscheidung den Flug zu beenden, bis die erste Böe den Boden trifft? Gelegentlich war ich frustriert weil ich früh gelandet war, aber die paar mal die ich es herausgefordert habe und zu lange in der Luft geblieben bin, waren wirklich schrecklich. Je mehr ich fliege, desto konservativer werde ich. Wenn die Wolken, an einem Tag an dem Gewitter vorhergesagt sind, anfangen Spitzen zu bilden und aussehen wie Fäuste, dann solltest du sofort landen gehen. Die Beobachtung des Himmels während du fliegst ist nicht nur wichtig um den nächsten guten Bart zufinden, es ist die Basis für sicheres Fliegen.
Dies führt mich zu einem weiteren Teil dieses Artikels. Generell bilden sich Wolken aus ähnlichen Gründen nach verwandten Mustern. Diese Muster entstehen aufgrund einer Kombination von tausenden von Faktoren (ich sag's nochmal, es ist es wert die Meteorologie zu verstehen, lies das Buch), und diese Gebiete der Instabilität sind es wo du fliegen willst um Aufwind zu finden. Ich bin in oft genug in grossen blauen Gebieten herumgeflogen und am Boden gestanden um das zu glauben. Es ist fast immer besser den Wolken um ein blaues Loch herum zu folgen, als geradewegs hindurchzufliegen., unabhängig davon wieviel direkter der Weg durchs Blaue aussieht. Segelfugzeug Piloten können sich den Luxus leisten und durch grosse blaue Gebiete fliegen - bis zu 100KM - wir normalerweise nicht.
Viele Piloten träumen davon, unter einer Wolkenstrasse geradeaus zu fliegen, bis es Nacht wird. Obwohl dies ab und an möglich ist, finde ich es besser, Strassen als verbundene aber individualle Wolken zu behandeln. Wenn die Strasse aus Wolken mit flachen, scharfen Kanten besteht die eine gute Farbe haben (dicht aber nicht abbauend und nicht überentwickelnd) dann tritt den Beschleuniger und fliege so schnell wie es dein Verständnis der Sollfahrts-Theorie erlaubt. Vergiss dabei nicht vorauszuschauen und analysiere was sich sich abspielt; früher oder später werden die Wolken enden und du musst beobachten was sich vor und seitlich von dir abspielt. Ich habe oft festgestellt, dass es besser ist grosse Lücken in Strassen wie blaue Löcher zu behandeln und seitlich zu einer anderen Strasse zu springen wenn der Sprung der vor dir liegt signifikant grösser als der seitliche Sprung ist.
Viele 'blaue' Tage bieten tatsächlich einige sehr gute himmelsbasierte Hinweise. Für Beginner, auch wenn sich am oberen Ende von Bärten keine Wolken bilden, 'Dunst-Dome' bilden sich oft. Dies sind Gebiete, in denen sich das Licht aufgrund höherer Feuchtigkeit, Staub oder unterschiedlicher Luftmasse unterschiedlich bricht. Solche 'Dunst-Dome' habe ich am öftesten an relativ stabilen blauen Tagen in Mexico und den südwestlichen Wüsten gesehen. Oft sind die 'Dunst-Dome' einfach durch Teile des Himmels markiert die weniger blau sind. 'Dunst-Dome' sind oft auch Voranzeiger für richtige Wolken - am Morgen gibt es nur einen 'Dunst-Dom' an einer Inversion, aber sie markieren trotzdem einen Bart und sind oft die Plätze an denen eine Inversion später am Tag zuerst durchbrochen wird und Wolken entstehen. Auch an blauen Tagen bilden sich oft dust-devils oder wirbelnde thermische Kerne; wenn du Heu, feinen Staub oder anderes in der Luft sehen kannst, dann ist das ein Zeichen für einen Bart.