Thermik Theorie
Am Fliegen gefällt mir das Thermikfliegen am besten, tätsächlich ist es glaube ich das, was ich am liebsten im Leben mache. Nichts ist vegleichbar mit einem tollen Bart, in den man einsteigt, und von dem man sich zwei Kilometer nach oben tragen lässt. Thermik fliegen ist aber auch das, was ich am wenigsten am Fliegen mag, diese Tage wenn jeder andere im Geradeausflug steigt und du am Boden einschlägst, wie eine umgefallene Parkbank - und das öfters. An diesen Tagen ist man froh dass man alleine gelandet ist, damit einen niemand schreien hört.
Ein bisschen mehr Theorie über Thermik ist nützlich um zu verstehen wie man sie am besten nutzt. Ich glaube, dass Thermik (Bärte) in Bodennähe oft ziemlich eng und unruhig ist. Wenn sie aufsteigt wird sie ruhiger und grösser. Der Luftdruck beeinflusst ebenfalls die Bildung von Thermik; Tage mit hohem Luftdruck produzieren eher engere, scharf abgegrenzte und als bockig empfundene Thermik. An Tagen mit tiefem Luftdruck kann die Thermik offensichtlich sehr stark sein, hat aber tendenziell weniger scharf abgegrenzte Ränder und ist grossflächiger.
Der Temperaturgradient beeinflusst ebenfalls die Stärke von Thermik; ein heisser Tag mit einem sehr starken Gradienten wird stärkere Thermik produzieren. Stell dir ein warmes Luftpaket vor, das aus einem Kollektor aufsteigt und das an einem Tag mit einer grossen Differenz der Lufttemperatur zwischen dem Boden und 1500 Meter darüber. In diesem Falle wird die warme Luft sehr schnell aufsteigen. Eine Inversion ist das Gegenteil und es ist nicht überraschend, dass die warme Luft normalerweise an ihr stoppt oder zumindest abgebremst wird.
Die obigen Faktoren (und hunderte mehr, aber dies ist mal ein Anfang) geben jedem Tag sein thermisches 'Profil'. Wenn du an einem klaren blauen Tag startest (was für hohen Luftdruck spricht), mit einem guten Gradienten, dann kannst du scharf begrenzte und starke Bärte erwarten. Wenn aber der Himmel mit Cumuli gefüllt ist und wegen Feuchtigkeit etwas trübe aussieht, dann kannst du mit etwas softerer Thermik rechnen. Der erste Bart des Tages gibt oft einige gute Hinweise auf das was geschehen wird; wenn er dich bis zur Basis trägt und alles was du machen musst ist ein bisschen kreisen, dann hast du einen guten Start. Ist er klein und schwierig zu zentrieren und endet plötzlich nach 300 Metern und du findest ihn nicht mehr, dann weisst du, dass der Tag schwieriger werden wird. Bei jeder Thermik die ich im Laufe des Tages nutze merke ich mir drei Dinge. Wie hoch ist das durchschnittliche Steigen? Nicht die Spitzen, aber die wahre Steigrate etwa in einem 20 Sekunden Durchschnitt. Wie hoch komme ich bevor der Bart sich total auflöst und gibt es Regionen durch die es schwieriger ist durchzusteigen? Wie gross sind die Kreise die ich drehe und gibt es eine Abdrift?
Die Steigrate sagt dir, wass du später am Tage erwarten kannst; Steigraten tendieren dazu sich bis bis spät am Tage zu verbessern und auch die Grösse von Bärten nimmt tendenziell zu wenn der Tag fortschreitet (Bereiche mit Sinken dummerweise auch). Wenn du gutes Steigen (3-4 Meter) bekommen kannst, dann ist es wohl nicht lohnend eine Gleitstrecke für Steigen <1 Meter abzubrechen, es sei denn, du bist tief (jedes Steigen ist gut wenn du tief bist). Die Spitzenhöhe der Bärte ist ebenfalls nützlich. Wenn du immer auf 2000 Meter über Grund aufdrehen kannst und ein starker Bart plötzlich bei 1500 Meter über Grund aufhört, dann hast du ihn warscheinlich verloren und solltest ihn suchen. Wenn das Steigen aber bei 1900 Meter über Grund endet, dann ist der Bart sehr warscheinlich wirklich fertig und du solltest in den Gleitflug übergehen. Denke daran, dass die Höhe der Thermik im Verlauf des Tages eigentlich zunehmen sollte. An guten Tagen in Texas ist es nicht ungewöhnlich, dass die Thermik am Morgen nur 1300 Meter über Grund ist, am Mittag 2000, gegen 14:00 über 3000 und über 4500 Meter über Grund gegen 17:00. In den Bergen ist diese Zunahme im allgemeinen niedriger aber doch beobachtbar.
Die Grösse und die Drift deiner Kreise in verschiedenen Höhen sagt dir, was du beim nächsten Steigen erwarten kannst (Windgeschwindigkeit in der Höhe), in welchem Winkel sich der Bart von einem Kollektor wegbewegt, so dass du ihn findest (bedenke, sehr starke Bärte drücken den Wind problemlos um sich herum wie ein Brückenpfeiler im Wasser).