Wenn erst einmal der A-Schein geschafft ist, heißt es sich weiterzubilden, Neues zu erfahren und zu erlernen. Neben dem Streckenflug und dem Wettbewerbssport ist das Acrofliegen einer der Königsdisziplinen im Gleitschirmsport. Wer einmal gesehen hat, was ein Könner mit seinem Schirm alles anstellen kann, wird neidvoll am Boden stehen und sich wünschen auch so Fliegen zu können.
Mike Küng. Wer hat nicht schon von ihm gehört. Einer der weltbesten Akropiloten, Testpilot, special guest beim Red Bull Team, Mitglied des Adidas-Adventureteams und Weltrekordinhaber erzählt was Acrofliegen für ihn bedeutet und hat die Fragen von Piloten der Newsgroup de.rec.sport.gleitschirm beantwortet.
Solltet Ihr Fragen an Mike Küng haben, bitte per e-mail an mich. Anleitungen, wie man einen Loop oder einen Helicopter fliegt, werden aber - logischerweiser - nicht beantwortet.
Gleitschirmfliegen hat viele Gesichter
von Mike KüngEine meiner Hauptinteressen, neben Extremevents und den Gleitschirmtests ist das Acrofliegen.
Meine Richtung ist dabei die technische Perfektion, sprich die Schirmbeherrschung und nicht die Radikalität! Absolute Präzision am Schirm, eins sein mit dem Flügel ist das Ziel.
Beim Acrofliegen gibt eine Fülle verschiedener Figuren: Helicopter; Twister;
Tumbling; Sat; Flyback; Bodenspirale u.s.w. und ständig kommen neue Flugfiguren
hinzu.
Leider können viele Flieger die Schwierigkeiten der verschiedenen Figuren noch
nicht unterscheiden. Ein Twister oder Helicopter ist zum Beispiel technisch
wesentlich schwieriger zu fliegen, als jede andere Figur.
Ich sehe das Acrofliegen als eine Spezialisierung im Gleitschirmfliegen, das nur Leute mit Talent und viel Zeit ausüben u. trainieren sollten. Ich trainiere jeden Tag an diesen Figuren, versuche neue Figuren, arbeite als Testpilot beim dhv und trainiere Groundhandling! Da geben mir dann Flieger, die sich nach drei hintereinander geflogenen Kurven bereits als Acropiloten bezeichnen schon zu denken.
Anyway möchte ich in Eurem Forum gerne Fragen beantworten und euch diese Spezialisierung des Fliegens näher bringen.
Frage: Wer bringt mir Akrofiguren bei? Sicherheitstraining ueber Wasser
habe ich schon.
Ines Sattler (vom MadeMikeKüng Team): Mike Küng führt jedes Jahr in der ersten Juni-Woche ein TechnikSeminar in Ölüdeniz / Türkei durch. Er schaut sich ganz genau an, auf welchem fliegerischen Level die Piloten sich befinden. Dann wird, entsprechend dem Können und den Wünschen, ein ganz individuelles Trainingsprogramm für jeden Kursteilnehmer "geschneidert". So macht jeder Flieger seine nächsten Schritte. Niemand wird über-, aber auch nicht unterfordert.
Wenn Du Interesse hast, wende Dich direkt an den Organisator dieses Seminars:
Knut Jäger
Harzer Gleitschirmschule
www.harzergss.de
info@harzergss.de
Ein anderer Anlaufpunkt wäre sicherlich Walter Holzmüller von "Fly and More", der meines Wissens ähnliche Kurse durchführt.
Frage: Wieviel "G"-s spürst du bei deinen Flugfiguren? Kennst du Messungen
dazu?
Mike Küng: Die extremsten Belastungen wirken z. Z. beim sogenannten "Tumbling" auf den
Piloten. Bei dieser sehr dynamischen Variante des SAT aus dem WinOver oder
Loop haben wir mit einem Telemetriemeßgerät Werte von bis zu 5 G
festgestellt. Also wirklich HardcoreFliegen für Mensch und Material!
Frage: I wanted to know how you remember the moment when you really got the
feeling that you started to understand you glider. You know what I mean
not driving the glider but really flying.
Mike Küng: Not easy to say! As more you train and learn, as earlier you get this
feeling to be one with the glider; but anyway, i think, you get this feeling not earlier
after some years praxis and some thousands of flights; I can still learn from every
flight; so i think, there is always a posibility to move forward in flying!
Frage: Mich würde interessieren, wie neue Manöver zustande kommen -
wie z.B. der SAT - wird da einfach gesagt und heute zerlegen wir uns und
schauen mal was rauskommt oder wie funktioniert das...?
Mike Küng: Manchmal kommt man zufällig auf was Neues; meistens hat man
jedoch eine Figur im Kopf und versucht sie zuerst mental und dann praktisch
umzusetzen. Wichtig ist vor allem auch zu wissen, wie man reagieren muß, wenn
es nicht so funktioniert wie man es angedacht hatte.
Frage: Bist Du schon einmal abgestürzt?
Mike Küng: Beim Acrofliegen nicht.
Frage: Geht Euch bei manchen Sachen noch immer die Düse geht oder
seid Ihr mittlerweile so abgeklärt, dass Fullstall, Vrille & Co. nix besonderes
mehr sind?
Mike Küng: Selbstsicherheit durch Training und Job (sehr viel Training)
ist bei uns nicht anders wie bei anderen Profisportlern; Respekt ist jedoch
sehr wichtig!
Frage: Für welche Manöver (wenn überhaupt) brauchts einen
leistungsorientierten Schirm, was kann man auch mit ´nem Einsteiger (bis
1-2) fliegen?
Mike Küng: Grundsätzlich kann man mit jedem Schirm fast jedes Manöver
fliegen; mit hoch gestreckten Schirmen fängt man sich Nachteile bei den
Flatspins (Helicopter, Twister) ein.
Frage: Wie oft brauchst Du heute noch pro Jahr die Rettung?
Mike Küng: Im Schnitt brauche ich den Retter alle zwei Jahre einmal.
(Das jedoch beim Schirmtesten.)
Frage: Wie oft haben die Jungs insgesamt schon die Rettung
gebraucht?
Mike Küng: ---
Frage: Siehst Du Akrofliegen in der Summe als Risikosteigerung,
-minderung oder pari?
Mike Küng: Wenn du Talent zu Acrofliegen hast, wenn du Acrofliegen als
Spitzensport, bei dem man sehr viel Zeit zum Trainieren benötigt, betrachtest,
das ganze mit Verstand betreibst, bleibt das Risiko im Rahmen.
Frage: Wieviel Flugerfahrung hast Du?
Mike Küng: 13 Jahre konsequentes Training.
Frage: Was sind Deine bevorzugte Fluggebiete?
Mike Küng: All over the world.
Frage: Wieviel Flüge machst Du in etwa im Jahr?
Mike Küng: Ca. 1000 Flüge.
Frage: Welche Flügelgröße in qm² nimmst Du für die verschiedenen
Flugfiguren (z.B. Loop)?
Mike Küng: Ich mache mit meinem Schirm alle Manöver (ca. 21qm/95kg.)
Frage: Wie wird man Profi-Akropilot?
Mike Küng: ---
Frage: Kannst Du eigentlich auch noch ganz "normal" geradeaus
fliegen?
Mike Küng: Ja.