Meine Ankunft in Grenoble

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Jep, jetzt ist es also soweit. Hier ist mein erster Bericht aus unserem liebenswürdigem Nachbarland mit seinen aufgeschlossenen Menschen, den luxuriösen Starplätzen, dem wohlbekömmlichen Weißbrot und der etwas anderen Lebensphilosophie.

Das man das Baguette nicht durchschneiden darf, wußte ich ja schon zuvor. Dass man aber zum Eröffnen eines einfachen Bankkontos oder zum Aufgeben eines Briefes bei der Post sich grundsätzlich mehrere Stunden Zeit nehmen sollte, war mir bis dahin noch nicht bekannt. Die eine oder andere Frankreicherfahrung habe ich nach mittlerweile 2-wöchigen Aufenthalt schon gesammelt und so langsam fügen sich dieses Bruchstücke auch zusammen. Was sich bisher aber überhaupt nicht zusammenfügt ist das Wetter. Seit gut einer Woche regnet es jeden Tag mindestens einmal, der Himmel ist überwiegend bewölkt und ein kurzer ekstatisch heftiger Hagelschauer sind die meteorologischen Gegebenheiten im ferienbedingt leergefegten Grenoble.

Karte

Auf einen Flug, sozusagen den Einflug, kann ich denoch zurückblicken. Am Freitag, den 2. August schien nach vorher regnerischen, kühlen Tagen endlich einmal wieder die Sonne. Pratzelnderweise tat sie ihr Bestes um aus diesen Tag nicht nur einen schönen, sondern auch eine schön fliegbaren Tag zu machen.
Kurzerhand war es dann auch soweit, dass mich Mathias (meine erste Grenoble-Bekanntschaft) und ein Arbeitskollege von ihm (er arbeitet beim ILL, einem internationalen Institut, welches von den Russen Plutonium bezieht und damit nukleare Feldversuche duchführt oder vielleicht auch einfach nur kleine Atombomben baut :-)) mittags abholten und wir gemeinsam auf der N 90 in Richtung Chambery abzischten.

Kurz vor der ersten "Payez-s.v.p.-Stelle" (der Ort heißt Crolles) sind wir abgefahren. Vorbei am weitläufigen "Da trifft ja jeder Depp rein" - Landeplatz auf ca. 230 Meter in Lubin. Linkerhand (suchen!) die D 30 Serpentinen oder auch Thermikvorbereitungsstraße hoch nach St. Hilaire auf ca. 960 Meter. Oben am Parkplatz angekommen und schon scharf aufs Fliegen dann die schnell die sieben Sachen gepackt und die 200m zum Startplatz zu Fuß zurückgelegt. Ablegen, erst einmal umschauen und sich mit den Gegebenheiten vertraut machen. Dazu bin ich auch mal Richtung Klippe gelaufen, die hier dem Startplatz ein jähes Ende bereitet. Tandems und Solos starten, sieht ganz gut aus.

Flug

Doch St. Hilaire wäre nicht St. Hilaire, wenn nicht jeden Tag mindestens einmal etwas Spektakuläres geschehen würde. Das dachte sich wohl auch der französische Flugschüler, der als nächstes startete. Aufziehen...., leicht schräg.....,läuft los...., immer noch schräg...., zögert jetzt doch und bleibt stehen. Der mittlerweile tragende Schirm hebelt in allerdings aus, wodurch der Pilot dann nach vorne stolpernderweise abhebt, einmal heftig unkontrolliert Gesträuch und Gesrtüpp duchfliegt umd dann mit 3-4m/s Steigen geradeaus abzufliegen, um zu guter Letzt sich während des Steigens mit dem "eingefangenen" Spin 5-7 mal einzudrehen! Große Augen, weitaufklaffende Münder und verdutzte Gesichter gab es am Startplatz massenhaft. "Bienvenu en France" heißt die mir da spontan einfallende Devise. Der bestaunte Pilot hat auf die Zurufe seines Freundes "Tourne, vite, vite!" es dann doch geschafft sich wieder auszudrehen, seiner Schirmkappe eine anständige Form zu geben und dann auch unserem Blickfeld zu verschwinden. Vol libre halt.

Zur Auflockerung haben wir dann doch erstmal ein paar Bilder gemacht, um dann bei passender Gelegenheit relaxed und kontrolliert zu starten. Kurz nach meinem Start bekam ich bedingt durch die steilen Klippen ziemlich Auftrieb und konnte mir kurze Zeit später das Gelände von oben betrachten. Mmmmh, lecker.

Landeplatz mit Circus

Hinter dem Startplatz erstreckt sich in nord-östlicher Richtung das Massif de la Chartreuse, eine von Grenoble bis nach Chambery reichende und parallel zur Isère verlaufende Hügelkette (Rennstrecke) mit Höhen zwischen 1400 zund 1800 Metern. Gegenüber und noch beeindruckender, allerdings auch ca. 9 km entfernt, die Meisterecke. Die Chaine de Belladonne, stets schneebedeckt und imposant lockt mit seinen 2.000 Meter hohen Ausläufern, die sich dann im majestätischen Pic Bayle mit seinen 3.465m vereinen. Bekannte Skigebiete wie L'Alpe d'Huez und Albertville befinden sich hier, nicht umsonstt. Bis ich da hin komme, wenn überhaupt, braucht es noch einige Versuche und unerläßlich für solche Unternehmen ist ohnehin ein fliegertauglicher Overall (wie der, den ich von freeX bekommen habe). Ohne den friert man sich sonst sicherlich den A***** ab.


Gelandet

Ich bin deshalb auch erst einmal in den milden und angenehmen Luftschichten geblieben, wobei ich mich im Vergleich zum stationiären Rest dennoch schon mal in alle Richtungen getraut habe. Die Wetterlage, die nur eine Startplatzüberhöhung von ca. 400 m zuließ und die Tatsache, dass ich nicht gleich beim ersten Flug mit einer Außenlandung meinen Einstand feiern wollte, ließen mich dann auch nur die nähere Umgebung abchecken und nach 2 Stunden umhergefliege, dann mit Winover, Spirale, Ohren anlegen und absichtlichen Einklappern zum Landplatz darnieder schweben.

Meinen Flug mit anschließender Punktlandung habe ich mir dann auch prompt mit einem Magnum belohnt. Alles in allem waren wir drei mit uns auch echt zufrieden. Zum Tagesabschluß dann noch ein abendlicher Kinobesuch, von dem ich zwar nicht viel verstanden habe, aber deswegen bin ich ja vor allem hier.


In diesem Sinne, bis zu nächsten Mal,
Eurer

Hubert Stephan, 26.08.2002 13:08
http://www.gleitschirm-faq.de/Stoff/Briefe/article_00001