La première attaque à Grenoble
Morgens halb elf in Frankreich. Uuaaahh, ich reckel mich gerade mal aus'm Bett. Blick nach draussen, hmm. Beim Frühstücken... "was mach ich heute (Sonntag) eigentlich?" Blick auf die Uhr. In 17 Minuten würde ein Bus fahren...., überleg, grübel, gähn. All right man, wieso eigentlich nicht. Hose, Haustürschlüssel, zur Telefonzelle. Flugschule Prevol (04.76.08.38.71) in St. Hillaire angefrufen.
"Bonjour monsieur, est-ce que c'est possible de voler aujourdhui?"
"Oui, le vent viens de la sud."
"Merci monsieur, à beintôt."
Treppe rauf, Cemenbert, Wasser, Banane, Sonnenbrille, 11 Uhr acht.
Zähne putzen, Nachricht hinterlassen, Türe zu, Treppe runter, zur ca.
500 Meter entfernten Bushaltestelle "Les dieguières" im Laufschritt.
Hechel, hechel, 2 Minuten Verschnaufpause. Linie 602 Richtung La Terasse,
3,20 €, 40 min. (Hab ich drei Tage vorher schonmal abgecheckt.)
Im Bus gibts Sightseeing, die lange Chaine de Chartreuse entlang (Grenoble -
St.Hillaire ca. 17 km). Hmmm, das muss doch zu schaffen sein.
Ca. 38 Stationen später beim Carrrefour raus, die Haltestelle ist
direkt am Landeplatz. Kurz den Landeplatz anschauen, aktuellen Wetterbericht habe ich
leider keinen gefunden. Nach 5 Minuten warten vom Kreisverkehr aus mit
zwei französischen Homies per Anhalter nach oben gestoppt.
(Wer von Grenoble aus mit dem Bus nach St. Hillaire zum Fliegen fährt und den Landeplatz schon kennt, kann acuh mit der Linie 655 fahren, die geht nämlich direkt nach St. Hilaire du Touret. Fährt allerdings nicht so oft und hat weniger Haltestellen in Grenoble.)
Oben angekomen - oops - da gibt's ja noch 'nen anderen Startplatz!
Decollage Süd???
Na ja, mir solls recht sein. Der Wind steht gut an, noch
einen Fluglehrer von Prevol zu den Bedingungen befragt und dann mal
langsam startklar gemacht. Trotz des neuen freeX-Overalls tatsächlich aufgeregt.
Eingeschnallt. Okay. Alles klar? ....Wind? ....Luftraum frei? ....
Rückwärts aufziehen, ausrichten und ....? Na dann mal los. Eins, zwei,
drei Schritte und .... juhuu, back in the air! Hammer!
Voll konzentriert den Hausbart aufgesucht (Leicht zu finden. Immer da, wo sich die Einheimischen
rumtreiben) und ... piep, piep, piep, das läuft. Kurze Zeit später mit
200 Meter Überhöhung und nun? Hier rumeiern wie das letzte Mal habe ich
eigentlich keine Lust.
Wind aus Süd. Grenoble liegt auch Richtung Süden. Eigentlich
nicht so günstig, aber egal. Probieren geht über Studieren heißt die Devise
und Wiesen zum Landen gibts genug. Also los. Die Entscheidung ist gefallen,
die Richtung steht fest. Stück für Stück entferne ich mich vom Startplatz.
Langsam, schaukelnd, Saufstrecken. Aber immer wieder konnte ich auch gut
Höhe machen. An den Antennen vorbei, aha, so sieht's hier also aus.
Das neue Gelände bewerten. Wie steht der Wind hier an? Wie stark werden die Bergflanken von der Sonne bestrahlt? Wo würde ich mich - wenn ich eine Thermikblase wäre - am wohlsten fühlen und wo rascheln die Blätter? Um möglichst lange und sicher in der Luft zu bleiben sind immer wieder die selben Überlegungen und Beobachtungen nötig.
Langsam komme ich voran und habe sogar noch genug Höhe um zuversichtlich
zu sein. Nach ca. 6 km in Richtung Grenoble erschließt sich jedoch rechts
eine Art Seitental, jedenfalls ein ziemlich großer und schwer zu überwindender
Einschnitt. Dort angekommen hab ich leider keine ausreichend starke Thermik
mehr gefunden. Mit dem "mal mehr mal weniger - Nullschieber" habe ich es noch
15 Minuten aufgenommen, aber dann doch eingesehen, dass für dieses Mal hier
Schluß ist.
Das Gelände noch ausgiebig für den nächsten Versuch begutachtet und dann
trotzdem zufrieden neben der Hauptstrasse D 90 gelandet. Einpacken und
erstmal im Schatten eines Weinrebenfeldes das ausgefallene Frühstück
nachgeholt und kräftig gechillt. Bevor es dann zurückging mit Blick zum Berg
die Flugroute nochmals nachvollzogen. Dann den Busfahrplan rausgeholt, alles klar,
in 20 Minuten fährt ein Bus zurück. Bernin - Lesdiguières - Rue de Turenne,
in mein Zimmer.
Das wars dann: La première attaque. Ein Sonntag in Frankreich!
P.S. Ca. eine Woche später habe ich während ich mich auf dem Campusgelände mit Formalitäten rumschlagen mußte einen einsamen, aber bestimmt glücklichen GS-Flieger beobachtet, der mehrere Stunden über die Bastille geflogen und später dann zum Fort Sy Eynard aufgedreht ist. Und ich am Boden - schluchz!