Le coup heureux
Die Entscheidung, heute fliegen zu gehen, ist vermutlich beim Aufprall irgendeines Sonnenstrahls auf meine schöne Nase gefallen. Bereits am Vormittag schien die Sonne nämlich recht ordentlich und nachdem ich meine einstündiges Treffen an der Uni absolviert hatte und wieder im Freien war, hab mich nur durch die fotographische Aufnahme meines heutigen Zieles aufhalten lassen und bin danach direkt zu mir geradelt. Es schien schon wieder so knapp wie beim letzten mal zu werden, gereicht hat es trotzdem.
Also wieder mal mit dem Bus Richtung St-Hillaire, das Hochstoppen hat auch auf Anhieb geklappt, ein Gleitschirmflieger aus Grenoble, mit ziemlich rasantem Fahrstiel, hat mir unterwegs sogar noch die besten Stellen für gute Thermik gezeigt. In einer ruhigen und sogar idyllischen Seitenstrasse in St-Hillaire hat er mich dann abgesetzt und mit den Worten "A bientot" verabschiedet. Auf dem Weg zum Startplatz hab ich aus einem geöffneten Fenster sogar noch chillige Kruder und Dorfmeister Musik vernommen, na wenn das kein gutes Zeichen ist ?????
Am Startplatz angekommen, das erste mal nach dem Coupe Icare, sind erst
zwei Piloten da, scheint also noch nicht zu spät zu sein.
Hallo, salut ......, ein kleines Pläuschchen in Ehren. Der Erste startet
auch schon,aha, alle schau natürlich zu, ob da schon was geht.
Absaufen tut er auf jeden Fall mal nicht. Noch mehr Piloten kommen hinzu und
so langsam stellt sich reger Betrieb ein. Immer wieder die Frage mit dem
"Wann los starten", das von Wo und auch Wohin hat sich ja schon mal geklärt.
Als die Ersten dann schon mein Blickfeld verlassen bereite ich mich dann auch vor.
Reinschluepfen in den kuscheligen Freex-Overall, Gurtzeug drüberziehen, mein
Flügel dranbauen, alles noch mal durchchecken und dann noch die Aufregung
unter Kontrolle bringen.
Einige Augenblicke später befinde ich mich wieder in der Luft und da denk
ich mir doch jedesmal "Ein Glück das ich mich Gleitschirmflieger nennen darf"
Und das ich das weiterhin so aufrichtig von mir behaupten darf, hab ich mir so
gedacht, werde ich jetzt meine Chance nutzen und das Beste daraus machen.
Also deshalb auch nicht lange zögern sondern gleich den Anderen hinterher,
wie ich nämlich vorher erfahren habe sind das ein paar Einheimische die sich
hier und in der Umgebung ganz gut auskenne. Lokal Matadore quasi, was mir
aber nicht unrecht ist.
Die ersten 20 Flugminuten spar
ich mir, interessant wird's nämlich erst dort, wo für mich beim letzten Versuch
Schluss war. Bei diesem Einschnitt, man könnte auch Aufgabe dazu sagen. Jedenfalls
bin ich da mit ausreichend Höhe, gut motiviert, mit Kamera im Gepäck und mit drei
Vorfliegern, die mir freundlicherweise gezeigt haben wo es hoch geht, angekommen.
Das Höhe machen war dann also nicht all zu schwer, wobei ich doch so
deutlich wie noch nie zuvor gemerkt habe, dass die alle noch ein oder zwei Zacken
schneller oben waren als ich.
Mögliche Ursachen dafür waren meines Erachtens
nach eventuell bessere Schirme, Ortskenntnisse (immer wieder von enormen Vorteil),
ausgefeiltere Technik (gibt mir auch zu denken) oder vielleicht auch nur grad ne
günstigere Thermik erwischt (grins). Auf jeden Fall hab ich deutlich gemerkt,
wer hier die Nase vorne hat.
Seis wiedermal drum, über kurz oder lang war ich dann auch oben und hab mich aufs Übersetzen konzentriert. Ob das wohl reicht ??? geht noch mehr ??? bin ich nicht cool ??? bla, bla, bla, also los.
Beim Queren selber gabs nichts Spektakuläres, schön ruhig, genug Höhe unterm Ar**h,
sich klein machen, die Anderen im Auge behalten, mal kurz verschnaufen.
Die andere Bergflanke rückt näher, meine Vorflieger kratzen schon ordentlich rum,
scheinen aber auch langsam zu steigen was mir wiederum Hoffnung gibt, denn die
Querung hat ganz schön Höhe gekostet.
Wiedermal macht sich die Sache mit den Schirmen und Ortskenntnissen bemerkbar.
Dort wo die nämlich vorher aufgedreht haben tut sich bei mir nicht grade
viel. Um hier nicht weiter abzusaufen entschliese ich mich erst mal am Fuss
des Berges weiter zu fliegen, sozusagen die Warteschleife.
Nach langem Suchen und schon
Landeplätze anvisieren hab ich dann doch was Geeignetes gefunden. 1A-Aufzug von
dem sich sogar Thyssen ne Scheibe abschneiden könnte. Erst gemächlich aber dann
sehr zügig. Einfach nur einsteigen, festhalten und wenig später von oben die
Aussicht geniessen.
Ein Jubelschrei zum Besten geben und dann doch noch oben
mitfliegen. Bis zum Fort St.Eynard ist es dann auch nicht mehr weit, hier begegne
ich auch wieder den anderen Piloten, die scheinen sich auf den Rückweg zu machen.
Ohne mich, mein Ziel heißt Grenoble.
Gut zu sehen von hier
oben und mit dieser Höhe sicher zu erreichen, deshalb halte ich mich hier auch nicht
sehr lange auf, bockig ist es dazu noch und meine Blase meldet sich auch immer deutlicher.
Also noch schnell ein paar Bilder gemacht, noch ne Ehrenrunde geflogen, ein Blick auf
die zurückgelegte Strecke werfen und dann Richtung Bastille abgleiten.
Grenoble wird immer
deutlicher, ich erkenne sogar schon die grossen Plätze und den Cour-Jean-Jauresse
(15 Kilometer nur gerade aus).
Bis ganz zur Bastille wag ich mich nicht vor denn da war es bei meinen letzten zu
Fuss Besuchen immer recht windig, auserdem heißts solangsam einen geeigneten Landeplatz
finden, was in einer Stadt auch nicht immer einfach ist. (Grösse, Windverhältnisse am
Platz erkennen und einschätzen können, Turbulenzen von Häusern u.s.w.)
Ein nicht allzu bevölkertes Stadion
erscheint mir da als genau richtig. Die Höhe reicht auch noch, der Rauch aus einem
Kraftwerkschornstein und die Bäume um das Stadion herum machen auch keine Spirenzchen,
na dann runter und rein.
Ganz wie es sich für einen Zieleinlauf gehört werde ich dann auch applaudierend empfangen,
murmel etwas unter meinem Helm hervor und trete, nachdem ich mein Schirm gerafft,
geküsst und auf einer Wiese abgelegt habe, erst mal unauffällig aus. Wie immer wird hier
(Pipi) kein Aufschub geduldet.
Dann relaxen, was trinken, Müsliriegel snacken, Sonnenbrille aufgesetzt und erst mal alle Viere von sich strecken. Ahhhhhhhhhhhhhhhh, hammer.
Nach ausgiebieger und verdienter Pause hab ich dann per Perdes und Tram und mit 'nem Grinsen auf dem Gesicht denn Rueckweg angetreten. Abends im Loco Mosquito hab ich dann mit meiner Mitbewohnerin Soline und ihren Freunden ordentlich gefeiert, Bilder kommt demnächst.
Sodann liebe Flieger, Fussgänger, Freischwimmer, Fahrstuhlführer und sonstige Nutzer jeglicher Fortbewegungsmittel, viel Vergnügen beim Warten auf die nächste Post aus Frankreich.
Nur soviel schon mal vorab, "Gug i dahin, gug i darum, lauder Berge um mi rum !!!"
Euer