Sicherheit beim Gleitschirmfliegen - Airbags für Rücken
Seit drei Jahren wird beim Deutschen Hängegleiterverband in Gmund am Tegernsee die Aufschlagsdämpfung von Protektoren für Gleitschirmgurtzeuge getestet. Seither hat die Entwicklung einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Die Grenzwerte für die Zulassung erlauben bei einer Fallhöhe von 1,5 m einen Schock von maximal 20 g Negativbeschleunigung. Dieser Wert scheint hoch, aber im Versuch werden die Protektoren zwischen einer Holzpuppe und einer Eisenplatte getestet. In der Praxis wird diese Beschleunigung durch den mehr oder weniger weichen Untergrund und die Flexibilität des menschlichen Körpers weiter reduziert. Und immerhin läge die ungebremste Beschleunigung bei dieser Fallhöhe bei etwa 140 bis 150 g.
Eine ultimative Protektorempfehlung gibt es dennoch nicht. Ist er zugelassen, stimmen die Dämpfungswerte und jeder Typ hat Vor- und Nachteile. Viele Hersteller versuchen auch verschiedene Systeme zu kombinieren. Wer ein modernes Gurtzeug hat, kann fast jeden Protektor in die dafür vorgesehenen Taschen einbauen. Vier Grundtypen sind derzeit auf dem Markt:
Hartschalenprotektoren
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Hartschalenprotektoren mit mehr oder weniger dünnen Schaumstoffauflagen schützen gegen das Abknicken der Wirbelsäule, besonders wenn der Rücken gegen ein Hindernis prallt. Häufigster Unfall beim Gleitschirmfliegen ist aber das Aufschlagen mit dem Gesäß, mit hohen Kräften in Längsrichtung der Wirbelsäule. Ein Hartschale am Rücken und unter dem Gesäß nützt da wenig. Ohne zusätzliche Dämpfungseinrichtungen sind sie ungeeignet. |
Schaumstoffairbags
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Die Dämpfung von Kissen aus Weichschaumstoff ist minimal. Protektorhersteller haben die Kissen daher mit einer weitgehend luftdichten Hülle umgeben. Die Aufschlagsenergie wird nicht durch den Schaumstoff absorbiert, sondern durch die Kompression der im Kissen eingeschlossenen Luft. Die Kissen liegen unter dem Gesäß und am Rücken und sind durch ein Kammersystem unterteilt. Das verhindert, dass die Luft am Aufprallpunkt zu schnell in andere Kissenteile entweicht. Ab einer bestimmten Fallhöhe wird das Luftpolster im Gesäßteil so stark verdichtet, dass die in die Wirbelsäule eingeleiteten Kräfte wieder zu Verletzungen führen können. Um einen solchen Überdruck zu vermeiden, sind zwischen den Kammern Ausgleichslöcher eingebaut, durch die, in genau definierter Weise, die Luft entweichen kann. Der Schaumstoffairbag lässt sich klein verpacken und passt in nahezu jedes für Protektoren vorgesehene Gurtzeug. |
Hartmaterialprotektoren
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Die Aufgabe, eine möglichst hohe Aufprallenergie abzudämpfen, wird in vielen Bereichen der Technik durch Hartschaum gelöst, zum Beispiel auch bei zahlreichen Helmen. Protektoren aus diesem Material, die 20 g oder weniger bei einer Fallhöhe von 1,5 m erreichen, sind etwa 15 bis 17 cm dick und damit auch in den meisten Gurtzeugen verwendbar. Die Herstellung ist kostengünstig, die steifen Protektoren lassen sich aber schlechter verpacken als andere Systeme. |
Staudruckairbags
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Die grundsätzliche Wirkung dieser Protektoren ist ähnlich der beim Schaumstoffairbag. Die Luft wird jedoch nicht durch Weichschaum in die Kammern gebracht, das Dämpfungspolster bläst sich durch den Fahrtwind auf. Beim Aufschlag verhindern Rückschlagklappen das entweichen der Luft. Die Entwicklung geht auch hier zu Mehrkammersystemen mit abgestimmten Ausgleichsöffnungen. Da die Luft erst beim Flug eingeleitet wird, bleibt dieses System klein zusammenlegbar, unabhängig von der Bauhöhe (aufgeblasen bis zu 40 cm!). Entsprechend zeigt es die besten bisher gemessenen Dämpfungswerte. Fallhöhen von 2 m lassen sich auf 20 g abdämpfen. Der Schwachpunkt liegt im Wirkprinzip: Ist die Luftanströmung vor dem Aufschlag zu gering, zum Beispiel bei Stürzen direkt nach dem Start, fehlt der Staudruck. Der leere Airbag ist wirkungslos. Dieses Manko wurde durch die Kombination mit Schaumstoffairbags behoben. |
Neben einem modernen Rückenprotektor empfiehlt der DHV als passiven Schutz CE-normgeprüfte Helme, einen mustergeprüften Rettungsschirm und knöchelhohe Gleitschirmschuhe mit seitlichem Schutz gegen Umknicken. Der beste Protektor aber ist immer noch fliegerisches Können und eine gesunde Selbsteinschätzung.