Verletzungsmuster

Die unteren Extremitäten, Becken und Wirbelsäule sind beim Gleitschirmfliegen am meisten gefährdet.

Das Verletzungsmuster beim Gleitschirmfliegen (siehe Unfallanalyse) richtig darzustellen ist schwierig. Bei den von Kliniken und Bergwacht gemeldeten Unfällen handelt es sich meistens um schwere und schwerste Verletzungen. Hierzu zählen Polytraumen nach Abstürzen aus größerer Höhe mit schweren Rücken- und/oder Beckenverletzungen. Tatsächlich dominieren zahlenmäßig aber vermutlich leichtere bis mittelschwere Verletzungen an den unteren Extremitäten. Sie treten vor allem beim Starten oder Landen auf und gehen glimpflich aus, mit Eigen- oder Kameradenrettung. Entsprechend werden sie oft nicht gemeldet. Hinzu kommt, dass behandelnde ortsansässige Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte nicht an das überregionale Rettungswesen angeschlossen sind. So gehen entsprechende Verletzungen kaum in die Statistik ein. Das hier dargestellte Verletzungsmuster beruht auf einer Analyse von Dr. Wito-Schulze in Zusammenarbeit mit Kollegen der orthopädischen Klinik des Kantonspitals in St. Gallen (Schweiz).

Prinzipiell sind bei Hochrasanztraumen, wie sie bei verunfallten Gleitschirmfliegern zum Teil auftreten, nahezu alle Verletzungen möglich. Durch die Sitzhaltung im Gurtzeug schlagen die Piloten bei einem Sturz aber überwiegend zuerst mit den unteren Extremitäten, dem Gesäß und/oder dem Rücken auf. Im Folgenden sollen daher nur die entsprechend sporttypischen Verletzungen behandelt werden.

Kopfverletzungen

Ernsthafte Verletzungen am Kopf sind wegen der in der Regel qualitativ sehr guten Helme selten.

Verletzungen der oberen Extremitäten

Je nach Unfall und Aufprallhöhe treten Schürfungen, Prellungen oder Rissquetschwunden und Frakturen an Ober- und Unterarm auf. Unter den Unterarmfrakturen dominiert nach einer deutsch-schweizer Studie die distale Radiusfraktur loco typico.

Verletzungen der unteren Extremitäten

Bei Unfällen während der Start- oder Landephase sind fast immer die unteren Extremitäten betroffen. Der Pilot muss auf unebenem Gelände schnell an- beziehungsweise auslaufen. Dabei kommt es beim Stolpern häufig zu Umknicktraumen mit Sprunggelenksfrakturen, zu Bänderdehnungen oder -rissen und zu Unterschenkelfrakturen.

Bei Abstürzen sind je nach Aufprall häufig das obere Sprunggelenk und der Rückfuß betroffen. Seltener werden Frakturen am Mittelfuß gemeldet. Während Kalkaneusfrakturen vornehmlich durch die Kompressionskomponente des Unfalls geprägt sind, führen im oberen Sprunggelenk vornehmlich Rotationskräfte zu komplexen osteoligamentären Verletzungen.

Wurden die auftreffenden Kräfte bei gestreckten Beinen weitergeleitet oder traf der Pilot seitlich auf, sind - zahlenmäßig nachgeordnet - auch Oberschenkelfrakturen und Knieverletzungen zu finden. Schutz bieten, neben dem erforderlichen fliegerischen Können, angemessene Kleidung, gute körperliche Konstitution und stoßdämpfende, knöchelhohe Gleitschirmschuhe mit seitlichem Umknickschutz. Der erste Aufprall bei einem Absturz sollte ferner immer mit geschlossenen aber gebeugten Beinen abgefangen werden, um sich danach über den Rücken abzurollen.

Wirbelsäule und Becken

Dank der Entwicklung moderner Rückenprotektoren sind schwere Rücken- und Beckenverletzungen rückläufig. Trotzdem sind Wirbelsäulentraumen bei den schwereren Verletzungen noch immer dominant, besonders Kompressionsverletzungen der Brust- und Lendenwirbelsäule. Bedingt durch die sitzende Haltung des Piloten im Fluggerät beim Aufprall, ist der Pathomechanismus in der Regel axial gerichtet und von einer Flexionskomponente begleitet. Rotationsverletzungen sind die Ausnahme. Die übergroße Mehrzahl der instabilen komplexen Beckenfrakturen ist von der tangentialen Komponente des Hochrasanztraumas gezeichnet.

http://www.gleitschirm-faq.de/Stoff/Risiko/article_005